1834
Im Mai 1834 erließ Großherzog Leopold von Baden eine Verordnung, die die Bildung der jungen Handwerker nicht allein dem Zufall und den schon bestehenden kirchlichen Sonntagsschulen überlassen wollte. Man war überzeugt, dass für jeden Handwerker auch die theoretischen Grundlagen wichtig seien. Einige zentrale Voraussetzungen für den Besuch der Gewerbeschule waren die Vollendung des 14. Lebensjahres, der Besuch der Volksschule und die Lehre bei einem Meister des betreffenden Gewerbes. Die Ausbildung fand außerhalb der Arbeitszeit statt – an Sonn- und Feiertagen und am Abend. Mit 118 Lehrlingen und Gesellen begann in zwei Kursen die Arbeit. Die Unterrichtsfächer waren Zeichnen, Rechnen, Geometrie, Wirtschaftslehre und Sprachübungen.

1862
Für eine ständige Unruhe sorgte die unklare Verantwortlichkeit innerhalb der Regierung. Mal war das Kultusministerium, mal das Innenministerium federführend für die Gewerbeschulen zuständig, bis 1919 das gewerbliche Schulwesen definitiv dem Ministerium für Kultus und Unterricht unterstellt wurde. Eine weitere Verunsicherung entstand durch die Aufhebung des Schulzwangs im Gewerbegesetz 1862, die zu einem drastischen Rückgang des Schulbesuchs führte. Dies besserte sich erst ab 1876 durch ein von Josef Maier initiiertes Ortsstatut, in dem Stadtrat und Bürgerausschuss beschlossen, dass Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge unter 18 Jahren die Gewerbeschule zu besuchen haben.

1897
Das Handwerkergesetz von 1897 konstituierte die Handwerkskammern und regelte die Einführung der Gesellen- und Meisterprüfungen. Die an der Gewerbeschule installierten Fachkurse der Meisterausbildung führten zu einem erheblichen Imagegewinn der Schulen auch bei den Handwerkern. In der landesherrlichen Verordnung von 1907 wurde die Rolle der Gewerbeschule neu definiert – eine Konsequenz aus der vierzig Jahre dauernden Industrialisierung des zurückliegenden Jahrhunderts. Die Schulpflicht erstreckte sich nun auch auf weibliche Schüler und das duale Ausbildungsprinzip wurde klar formuliert.

1932
Hatte das badische Kultusministerium noch im Frühjahr 1932 der Schule und ihren Lehrern eine Betätigung im Sinne der NSDAP verboten, so verkehrte sich dies alles im Laufe eines Jahres ins verordnete Gegenteil: Hitlergruß, Flaggenappell und Führungskurse hielten Einzug. Der örtliche Gewerbeschulrat wurde von einem arischen Beirat abgelöst. Die Schulbibliothek wurde »bereinigt«. Nach Kriegsbeginn kürzte man den Fachunterricht zugunsten des »staatspolitischen und wehrgeistigen Unterrichts«, bald fiel Unterricht in größerem Umfang aus, da einige Lehrer Kriegsdienst leisten mussten. Mit dem Ende des Krieges standen keine Schulräume mehr zur Verfügung, in das Gebäude am Stephansplatz quartierten sich französische Truppen ein. Nicht vieles der Lehrmittelsammlung hat die Besatzungsmonate überdauert. Im Zuge der sogenannten Entnazifizierung wurden einige Lehrer suspendiert, die Schulbibliothek wurde wiederum von unerwünschtem Schrifttum »befreit«.

1946
Mit fünf Lehrern und 500 Schülern in 19 Klassen nahm die Schule im Januar 1946 ihren Betrieb wieder auf. Alle Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre gingen auch an der Gewerbeschule nicht vorbei: Das »Organisieren« war üblich, Unterricht musste wegen fehlenden Brennmaterials schon mal ausfallen. Die Unterernährung der Schüler konnte durch die »Schweizer Speisung« gelindert werden: Schüler wie Lehrer erhielten im Schuljahr 1946/47 täglich einen Teller Suppe. Trotz all dieser Schwierigkeiten regelte sich vieles im Schulbetrieb überraschend schnell. Zu Beginn der 50er Jahre zählte die Schule bereits über tausend Schüler in ca. 50 Klassen.

1954
Nachdem Konstanz als »kreisunmittelbare Stadt« in den Landkreis Konstanz aufgenommen worden war, ging die Schulträgerschaft der Gewerbeschule auf den Landkreis über. Als »Abschiedsgeschenk« erklärte sich die Stadt mit dem Vorschlag der Schule einverstanden, in Zukunft den Namen des Sohnes und Ehrenbürgers der Stadt zu tragen. 1959 beschloss der Kreistag einstimmig, auch den Neubau in Petershausen »Zeppelin-Gewerbeschule« zu nennen. Dieser Neubau wurde auf einer Kreistagssitzung 1955 beschlossen und zügig in Angriff genommen. Bereits im Frühjahr begannen die Bauarbeiten, im September 1958 konnte das Gebäude an der Pestalozzistraße eingeweiht werden. Für 3,3 Millionen DM waren 34000 m3 Raum umbaut worden, 19 Klassenzimmer, 9 Lehrer- und Arbeitszimmer, 10 »Materialsäle«, 1 Physikraum, 7 Labore, 10 Werkstatträume und 1 Bauhof waren entstanden.

1970
Aufgrund der Diskussionen um die Politik der Kammer zeigte sich auch die Raumsituation als schwierig. Schließlich gelang es, 1970 die Werkstatt an der Südwest-Ecke des Schulgeländes zu realisieren, in der die Bau- und Metallberufe untergebracht wurden. Für 1,1 Millionen DM war ein Flachbau von 40 x 50 m entstanden. Allerdings dauerte es Jahre, bis 1976 dem Schallschutzproblem abgeholfen werden konnte. Vor allem unter energetischen Gesichtspunkten bleibt dieser Werkstattbau ein Sorgenkind der Schule. 1970 konnte das Technische Gymnasium (als Aufbaugymnasium mit den Klassen 11 – 13) seine Arbeit aufnehmen. 1972 begann die zweijährige Berufsfachschule Elektro gleich mit zwei ersten Klassen.

1979
Der bis heute sogenannte »Neubau« und die Bauwerkstätten konnten im Herbst 1979 bezogen werden, im Februar 1980 fand die Einweihung statt. Bei einer »Programmfläche« (ohne Verkehrs- und Restflächen) von 2700 qm entstanden für 16 Millionen DM sieben Klassenzimmer, der ganze naturwissenschaftliche Fachbereich, die Verwaltung, das Lehrerzimmer und der Schüleraufenthaltsraum mit Kiosk (Foyer). Seit April 1979 gibt es mit dem »Verein der Freunde und Förderer der Zeppelin-Gewerbeschule « einen wichtigen Unterstützer der schulischen Alltagsarbeit.

1984
Im Jahr 1984/85 erreichte die Schülerzahl der Zeppelin-Gewerbeschule mit 2121 Schülerinnen und Schülern ihren historischen Höchststand. Welch enorme Belastung diese Zahl für die neunzig Lehrerinnen und Lehrer mit sich brachte, braucht nicht ausführlich dargelegt zu werden. Mitten in diesem Jahrzehnt stand das 150-jährige Jubiläum.

1986
Nachdem bereits mehrfach Unterricht abgebrochen werden musste, weil die Geruchsbelästigung durch das unmittelbar an das Schulgelände angrenzende pharmazeutische Unternehmen »Ravensberg« zeitweilig unerträglich geworden war und zahlreiche Schüler sich ärztlich behandeln lassen mussten, wird es den Schülerinnen und Schülern im November 1986 zu bunt: Die SMV (Schülermitverantwortung) beruft nach einer erneuten Gaswolke, die bei einem Produktionsunfall in dieser Firma zur benachbarten Zeppelin-Gewerbeschule entweicht, eine Schülerversammlung ein, lädt dazu Wirtschaftskontrolldienst und Vertreter des Landratsamtes ein und fordert – unterstützt vom Lehrerkollegium und der Schulleitung – sofortige Maßnahmen. Eine erfolgreiche Aktion, ein anschauliches Lehrbeispiel: Landrat, Kreistagsausschüsse und zuständige Fachleute beschäftigen sich in den folgenden Monaten nicht nur mit unseren Gefahren-Problemen, sondern untersuchen kreisweit die von Industriebetrieben möglicherweise ausgehenden Gefahren. »Ravensberg « bekommt wenig später entsprechende Auflagen. Pikantes Detail am Rande: »BILD« hat von der Sache im wahrsten Sinn des Wortes Wind bekommen und verbreitet nach scheinbar gründlichen Recherchen eine Meldung am 19. November: »Giftwolke zieht von Ravensburg über den See nach Konstanz …« Im selben Jahr investiert der Kreis Konstanz für die Datenverarbeitung im beruflichen Schulwesen rund 1,5 Millionen DM und setzt damit ein deutliches Zeichen. Neue EDV-Labore entstehen, in allen Abteilungen herrscht Aufbruchstimmung, allen voran in den originär dafür zuständigen Fachbereichen, die sich im Laufe der folgenden Jahre zum Schwerpunkt »Informationstechnologie« der Zeppelin-Gewerbeschule entwickeln werden.

1988
Mit einem Hindernis ganz besonderer Art haben Lehrkräfte und Schüler zu kämpfen, die eines Maimorgens im Jahr 1988 wie gewohnt zum Unterricht gelangen wollen. Der Abiturjahrgang des Technischen Gymnasiums hat kurzerhand über Nacht einen Teich vor dem Eingangsbereich angelegt. Wer hinüber zur Pforte des Schulhauses will, muss mit einem Schlauchboot übersetzen. Schüler brauchen für die Fahrt nichts zu bezahlen, Lehrer werden, je nach Gehaltsklasse, zur Kasse gebeten. Abistreiche werden am Technischen Gymnasium, wie an allen Gymnasien, als Tradition gepflegt, allerdings erfreuen sie sich nicht immer so großer Zustimmung wie die Teichidylle des Jahrgangs ’88!

1989
Im März kurzfristig heller Aufruhr in der Zeppelin-Gewerbeschule: Einbruch in einen Computerraum – Diebe lassen bei einem nächtlichen Beutezug zwei Computer und drei Drucker (Wert: 30.000 DM) mitgehen. Schmerzlichster Verlust dabei sind die in mehrjähriger Arbeit mühevoll von einem Lehrer der Schule ausgetüftelten Programme, mit Hilfe derer der Haushalt der Schule verwaltet, Schülerdaten erfasst und Zeugnisse geschrieben wurden. Fazit: Der Raum mit den zu schützenden Daten bekommt zusätzliche Schutzvorrichtungen, auch unsere Schule muss auf ihren ersten (und bislang einzigen) »Datenklau« entsprechend reagieren. Womit nun auch die Zeppelin- Gewerbeschule ihren »Hochsicherheitstrakt« bekommt, wie der Raum seither liebevoll genannt wird. Die 1.000 DM Belohnung allerdings, die vom Kollegium für die Wiederbeschaffung der Disketten ausgesetzt wurden, hat bis heute niemand abgeholt.

1995
Europa muss auf vielen Wegen zusammenwachsen, Schule und Ausbildung nehmen in diesem Prozess eine wichtige Rolle ein; die neu entstandenen EUFörderprogramme möchten diesem Gedanken Rechnung tragen. Im Jahr 1995 bemüht sich die Zeppelin-Gewerbeschule um Aufnahme in das Programm SOKRATES – und wird erste berufliche Koordinationsschule in Baden-Württemberg. Zusammen mit einem Istituto Tecnico (ähnlich unserem Technischen Gymnasium) in Rom und der HTL (Höhere Technische Lehr- und Handelsanstalt) in Bregenz beginnt eine 3-jährige intensive Zusammenarbeit unter dem Thema »Regenerative Energien«.

1997
Die Schülerzahlen gehen im gleichen Zeitraum, bedingt vor allem durch Veränderungen in der Berufsschule, immer weiter zurück bis hin zum Tiefpunkt im Schuljahr 1997/1998 mit 1059 Schülerinnen und Schülern. Über die Gründe herrscht weitgehend Klarheit: Große Unternehmen haben sich aus Konstanz zurückgezogen (z. B. Verlust der Kommunikationselektroniker- Klassen der Telekom – bis zu 8 Klassen pro Schuljahr zu Hoch-Zeiten), mehr Schulabgänger streben höhere Abschlüsse an, z. T. auch bedingt durch den Lehrstellenmangel, die Ausbildungsbereitschaft vor allem kleinerer Betriebe ist zurückgegangen bzw. die Ausbilder haben steigende Ansprüche, die Konkurrenz der Beruflichen Schulen im Landkreis untereinander wird größer usw.

2002
Nach dem großen Erfolg der Verkehrssicherheitstage, die im Jahr 2000 an der Zeppelin-Gewerbeschule durchgeführt wurden, nimmt unsere Schule im Oktober 2002 an dem Modellversuch »Ohne Sprit fahr’ ich mit« des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg teil. Das Schwerpunktthema ist, dem Motto gemäß, »Alkohol im Straßenverkehr«. Überwiegend Berufsschulklassen können sich davon überzeugen, dass Verkehrssicherheit ein spannendes und wichtiges Thema sein kann: am Fahrsimulator mit Alkohol-Programm, beim Klassengespräch mit Experten oder im Pkw-Sicherheitstraining auf dem Verkehrsübungsplatz. Flyer und Plakate für diese Aktion werden selbstverständlich von den Mediengestalter-Azubis der Schule im Rahmen eines Wettbewerbs entworfen und hergestellt.

2004
Die Kooperation mit unterschiedlichen Partnern zu suchen ist seit jeher ein Anliegen unserer Schule gewesen. So initiiert und koordiniert sie im Schuljahr 2004/05 ein kleines, ganz besonderes Projekt von 4 Partnern: Schülerinnen und Schüler der Zeppelin-Gewerbeschule, Gebhard-Hauptschule und Theodor-Heuss-Realschule bauen im Technik-Unterricht gemeinsam Solarkocher. Um ein Messgerät für die Einstrahlung der Sonne konstruieren zu können, holen sie sich im Fachbereich Physik der Universität Konstanz Unterstützung und können dies dann am Solarkocher anwenden. Vielleicht ist es über dieses Projekt auch gelungen, neue Hauptschüler und Realschüler für unsere Schule zu interessieren, auf jeden Fall ist es ein weiterer Baustein zu unserem Thema »Regenerative Energien«. Die Zahl und Vielfalt an Kooperationen wird in den nun folgenden Jahren immer weiter ausgebaut. Das Ergebnis der neusten erfolgreichen Zusammenarbeit mit der HTWG Konstanz stellen unsere TG 11-Schülerinnen und Schüler am Ende des Schuljahres 2007/08 vor: selbst gebaute und programmierte Roboter.

2006
Ab dem Schuljahr 2006/07 betritt die Zeppelin-Gewerbeschule dann endgültig Neuland. Im Rahmen der Schulentwicklung an den beruflichen Schulen in Baden-Württemberg wird der erste Schritt zur Umsetzung eines Konzepts der Qualitätsentwicklung getan: Das Kollegium erarbeitet für die Schule ein Leitbild, das unseren Anspruch und unser pädagogisches Tun erläutert und das Maßstab sein soll für unser Handeln in den kommenden Jahren.